ABSCHIED VON GESTERN
BRD 1966, 88', DCP, D. Regie Alexander Kluge. Drehbuch Alexander Kluge, nach Motiven aus seinem Buch «Lebensläufe». Mit Alexandra Kluge, Hans Korte, Edith Kuntze-Peloggio, Palma Falk.
Anita, in der DDR aufgewachsen, kommt 1957 in den Westen. Sie gerät mit dem Gesetz in Konflikt, flieht vor der Bewährungshelferin, arbeitet als Vertreterin, wird Zimmermädchen und besucht schliesslich die Universität. Ein Verhältnis mit dem Ministerialrat Pichota bringt keine Ruhe ins Leben der Rastlosen.
«Als Antwort auf die gelackten Heile-Welt-Filme der 50er-Jahre drehten junge Regisseure in den 60ern unorthodoxe Werke mit politisch brisanten Inhalten. Ein ‹junger deutscher Film› mit grossen Ambitionen: spröde, sperrig und unbequem.» cinema.de
«Obwohl sich ein Handlungsfaden durch alle Episoden des Films hindurchzieht, gibt eine Beschreibung des Geschehens nur einen höchst unzulänglichen Eindruck von Abschied von gestern. Der Film ist elliptisch erzählt; die Handlung schreitet in grossen Sprüngen vorwärts, einzelne Szenen wirken wie dokumentarische Aufnahmen und sind es auch. (...) Die Besonderheit des Films liegt aber nicht nur in seiner Struktur, sondern auch in seinem gesellschaftskritischen Engagement, in der Anteilnahme am Schicksal seiner Protagonistin. Es gelingt Kluge, die Situation seiner Anita in grossartige optische Metaphern zu übersetzen.» Ulrich Gregor
«Abschied von Gestern ist der Film von jemandem, der das Kino gerade entdeckt hat und mit aller Unbefangenheit das macht, was andere nur unter grossen Anstrengungen im Kampf mit dem vergangenen Kino fertigbringen: neue Ausdrucksmittel finden. Das macht sie barbarisch neu. In gewisser Weise ist Kluges Verhältnis zur Kinogeschichte ein ähnliches wie das seiner Anita G. zur deutschen Geschichte.» Frieda Grafe, Filmkritik (1966)
Die restaurierte Fassung feierte am 5. September 2026 an den Filmfestspielen in Venedig ihre Premiere und ist hier erstmals in der Schweiz zu sehen.






