RAGTAG
DE/FR/IT 2022, 84', DCP, E/I/Sp/e. Regie Giuseppe Boccassini. Drehbuch Giuseppe Boccassini.
Lauren Bacalls Filme mit Humphrey Bogart zählen zu den Klassikern des Film noir. In diese Welt des Zwielichts taucht der Found-Footage-Film Ragtag von Giuseppe Boccassini ein, den wir begleitend zur Lauren-Bacall-Retro zeigen. Der italienische Filmautor verbindet darin kurze Momente aus über 300 Film-noir-Titeln zu einer faszinierenden Collage.
Ragtag ist eine chronologische Zeitcollage, die auf einem breiten Korpus von Filmen aus der so genannten klassischen Ära des amerikanischen Kinos basiert und umfasst Ausschnitte aus 310 Film-noir-Titeln von den frühen 1940er- bis in die späten 1950er-Jahre. Der Film noir geht auf die Tradition der Schauerliteratur zurück, er hat eine Affinität zur Hard-boiled-Tradition von Dashiell Hammett, Raymond Chandler und James M. Cain und zeichnet sich durch einen düsteren visuellen Stil aus, der vor allem dem deutschen Expressionismus zu verdanken ist. Im Umgang mit diesem Erbe verwendet Giuseppe Boccassini verschiedene Techniken wie Flimmern und Wiederholung, um den so genannten Verfremdungseffekt zu erzielen und zeichnet so ein Porträt der menschlichen Psyche des 20. Jahrhunderts und seiner dunklen Nachkriegslandschaft.
«Die Montage – oder besser die Demontage – isoliert Momente von der Erzählung und trennt Körper von Ereignissen und öffnet sich dem Undenkbaren und Unsichtbaren des Film noir. Ragtag wird so zu einem immensen Archiv des Imaginären(...): eine Filmerfahrung jenseits des Films als solchem.» Federico Rossin, Filmhistoriker