Antonioni jagt seinen Reporter erst durch die Wüste, dann durch Europa und immer tiefer in eine existenzielle Krise.
Ich ist ein anderer? Jack Nicholson spielt den TV-Reporter David Locke, dessen Recherche im Tschad buchstäblich versandet. Als er, zurück im Hotel, seinen Zimmernachbarn David Robertson tot auffindet, nützt er die vermeintliche Gunst der Stunde und schlüpft in die Identität des Fremden, eines Waffenhändlers, der sein Doppelgänger sein könnte. Der Film, der zunächst davon erzählt, wie in der Sahara ein Rastloser zum Stillstand kommt, wird zum Roadmovie eines Mannes auf der Flucht vor sich selbst und auf der Suche nach einem andern, den er nicht sein kann. Die Reise, die Locke/Robertson zurück nach London, dann über München nach Barcelona und schliesslich nach Andalusien führt, wird trotz der Liaison mit einem jungenhaften Männertraum (Maria Schneider) nicht zum erhofften Auf- oder Ausbruch; vielmehr erzählt der Film von einer zunehmenden Erschöpfung, vom Ende eines Lebens, das unerfüllt, unerlöst bleibt, ausgesetzt den Zufällen einer Welt, die alle zu Fremden macht. Antonioni setzte in diesem Film, den er aus Produktionsgründen in kürzester Zeit drehen musste, Rückblenden ein, was für ihn ungewöhnlich ist. Grossartig ist die letzte Einstellung: Die Kamera schwebt in suggestiver Langsamkeit aus dem Zimmer von Locke/Robertson hinaus auf einen Platz, auf dem sich «das Leben» manifestiert, gespenstisch wie in einem Bild von de Chirico. (all)