OUISTREHAM
FR 2020, 107', DCP, F/d. Regie Emmanuel Carrère. Drehbuch Emmanuel Carrère, Hélène Devynck. Mit Juliette Binoche, Hélène Lambert, Léa Carne, Evelyne Porée, Patricia Prieur, Didier Pupin.
Eine französische Schriftstellerin heuert undercover in der nordfranzösischen Hafenstadt Caen als Reinigungskraft an, um die Arbeitsbedingungen von Menschen kennenzulernen, die in prekären Verhältnissen schuften. Doch während sie wie eine Touristin eine ihr fremde Welt erkundet, ist das für ihre Kolleginnen die knallharte Realität, aus der es kein Entkommen gibt. Das wird für die Reporterin, aber auch für den Film, der auf einem literarischen Tatsachenbericht fusst, zum moralischen Problem.
«Für die Recherche zu ihrem neuen Buch geht die bekannte Schriftstellerin Marianne Winckler ungewöhnliche Wege: Um authentisch über prekäre Arbeitsverhältnisse in Frankreich schreiben zu können, lässt sie ihr privilegiertes Pariser Dasein hinter sich (…) und heuert bald als Reinigungskraft in einer Putzkolonne an, die für die Fähre zwischen Ouistreham und Portsmouth zuständig ist. Im Akkord werden da Toiletten geputzt und Betten gemacht. Nur jeweils vier Minuten Zeit bleiben für die 230 Kabinen, ehe das Schiff pünktlich wieder ablegt. Neben Knochenarbeit, täglicher Entwürdigung und sozialer Unsichtbarkeit lernt Marianne dabei auch die tiefe Solidarität zwischen ihren Kolleginnen kennen, die angesichts der unbarmherzigen Arbeitsbedingungen wie eine Familie zusammenhalten und ‹die Neue› herzlich aufnehmen. (…) Aus gegenseitiger Hilfe entsteht Freundschaft, aus Freundschaft Vertrauen. Doch irgendwann kommt der Moment, da Marianne ihre wahre Identität offenlegen muss…
Neben der wunderbar bescheiden agierenden Juliette Binoche als Marianne erobern die Frauen von Ouistreham die Leinwand und die Herzen: allesamt überwältigende Laiendarstellerinnen, die eine mehr oder weniger fiktive Version ihrer selbst verkörpern.» Kinok St. Gallen






